Kartäuserkirche

Leben der Kartäuser

Mit dem Kartäuserorden schuf Bruno eine völlig neue Art des Mönchtums, das Eremitendasein und gemeinschaftliches Zusammenleben in harmonischer Weise miteinander verbindet.
Im Gegensatz zu karitativen Orden - zum Beispiel dem Antoniterorden, der sich der Krankenpflege verschrieben hatte - ist der Kartäuserorden ein rein kontemplativer Orden. Ziel eines Kartäusers ist die mystische Vereinigung mit Gott, die er durch das Gebet und ein einsiedlerisches Leben zu erlangen sucht. Aus diesem Grund siedelte sich der Orden mit Vorliebe in einsamen Gegenden fernab der Zivilisation an. Von der Außenwelt abgeschieden, unterwerfen sich die Kartäuser einem Schweigegelübde und führen innerhalb einer Mönchsgemeinschaft ein Eremitendasein.
Bruno selbst hatte die Ordensregeln nie schriftlich fixiert. Erst im Jahre 1127 schrieb der fünfte Prior der Grande Chartreuse die im Wesentlichen bis heute gültigen Ordensstatuten nieder. In Anlehnung an Jesus und die zwölf Apostel gehören im Idealfall zwölf Priestermönche und ein Prior als Ordensvorsteher zur Belegschaft einer Kartause. Hinzu kommen die Brüdermönche, die durch ihre körperliche Arbeit die wirtschaftliche Versorgung der Klostergemeinschaft sicherstellen. Die Priestermönche verbringen den größten Teil ihres Lebens in der Abgeschiedenheit der Mönchszelle. Hier gehen sie in sich, um eins mit Gott zu werden, hier beten, essen, arbeiten, studieren und schlafen sie. Dreimal täglich durchbricht ein gemeinschaftlicher Gottesdienst den einsamen Alltag der Mönche. Nur sonntags und an Hochfesten treffen sich die Mönche zu einem gemeinsamen Essen im Refektorium. Einmal in der Woche steht außerdem ein Spaziergang auf dem Programm, bei dem die Mönche auch miteinander kommunizieren dürfen. Das durch Isolation und Schweigen geprägte Kartäuserleben räumt dem gemeinschaftlichen Beisammensein also einen kleinen, aber notwendigen Platz ein.
Der Düsseldorfer Regisseur Philip Gröning hatte 2005 die einmalige Gelegenheit, in der Kartause bei Grenoble den Alltag der Mönche mit der Kamera zu begleiten. Sein Dokumentarfilm „Die große Stille“ enthält sich jeglichen Kommentars, was einen unvergleichlichen Einblick in das stumme Leben der Kartäuser erlaubt.
Kirchenfenster, Südwand
Kirchenfenster, Südwand, Foto: Martina Dienemann

Kapellenanbau

Kapellenanbau
Foto: Martina Dienemann